Am 09.09.2025 fand die Auftaktveranstaltung der Reihe ,,Potenziale ohne Grenzen – Perspektiven einer Arbeitswelt für alle“ statt. Walburga Fröhlich, Co-Gründerin von atempo, hielt einen Vortrag zum Thema ,,Vom Schützling zum Experten“. Zu Beginn berichteten die Bildungsfachkräfte von ihren persönlichen Erfahrungen mit inklusiven Teams.
Walburga Fröhlich machte deutlich, dass Selbstbestimmung ein zentrales Menschenrecht ist, unabhängig davon, ob Entscheidungen die wir treffen für uns gut oder schlecht sind. Menschen mit Behinderung erleben jedoch häufig Fremdbestimmung: andere entscheiden, wo sie wohnen, ob sie arbeiten dürfen oder wie ihr Alltag aussieht.
Aus dieser Erkenntnis entstand vor 25 Jahren die Idee von atempo, im übertragenen Sinne bedeutet dies, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo haben darf. Die Vision war, nicht für, sondern mit Menschen mit Behinderungen zu arbeiten, ihre Potenziale zu fördern und ihnen Zugang zu sozial anerkannten und wertgeschätzten Rollen zu ermöglichen.
Seitdem hat atempo innovative Arbeitsfelder entwickelt: 1. Menschen mit Behinderungen arbeiten als Prüfer*innen für Barrierefreiheit. Das bedeutet, dass Menschen mit Behinderungen prüfen, ob Orte, Dienstleistungen oder Produkte für alle zugänglich sind. Dabei erkennen sie aus ihrer persönlichen Expertise Barrieren und geben Verbesserungsvorschläge um so die Teilhabe von Menschen mit Behinderung aktiv zu fördern. 2. Evaluator*innen aus Nutzersicht. Menschen mit Behinderungen untersuchen, wie soziale Dienstleistungen (z.B. Einrichtungen für Menschen mit Behinderung) aus der Perspektive der Nutzer*innen funktionieren. Bisher wurden diese Angebote oft nur von Fachleuten oder Behörden bewertet, atempo gibt Menschen mit Behinderung eine Stimme in der Qualitätsbewertung. Das Ziel dabei ist, die Dienstleistungen zu verbessern und auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzer*innen auszurichten. 3. Digi-Coaches. Junge Menschen mit Behinderungen werden ausgebildet, Lehrkräfte beim Einsatz von Apps, Tabletts und Lernsoftware zu unterstützen. Sie kennen die digitalen Tools besser als manche Lehrkräfte und können gezielt zeigen, welche Software für welche Kinder geeignet ist. Das Ziel dabei ist die inklusive Gestaltung von Schulen und Kindern mit besonderen Bedürfnissen bessere Unterstützung zu ermöglichen. Die Besonderheit ist, dass die Menschen mit Behinderung professionell und selbstständig arbeiten, als Experten in eigener Sache und nicht „Hilfsbedürftige“ sind.
Außerdem entwickelte atempo capito, wodurch Materialien in leicht verständlicher Sprache und damit wichtige Informationen für alle Menschen zugänglich sind. Durch capito AI können Texte automatisch in einfache oder leichte Sprache sowie andere Sprachen übersetzt werden. Das Programm kann Texte zusammenfassen und auf Verständlichkeit prüfen. Das Ziel dabei ist es den Zugang für alle Menschen zu Informationen zu sichern, wodurch Menschen befähigt werden, aktiv teilzunehmen und Inklusion ermöglicht wird.
atempo setzt auf Netzwerke und Social-Franchise-Modelle, wodurch Wissen, Methoden und Tools an andere Organisationen weitergegeben werden. Mittlerweile bestehen in Österreich und Deutschland in mehreren Städten Netzwerke, in denen sich Prüfer*innen, Evaluator*innen und Expert*innen regelmäßig austauschen, um weiter an Inklusion in der Gesellschaft zu arbeiten.

