Am 8. Juni 2026 hat unsere Bildungsfachkraft Franzi in Greifswald ein Seminar für Lehrende durchgeführt – zum Thema „Studieren mit unsichtbaren Hürden – wie Sie als Lehrende*r Brücken bauen“.
70–80% aller Behinderungen sind unsichtbar
Franzi erklärte, was Behinderung im rechtlichen und wissenschaftlichen Sinne bedeutet – orientiert am SGB IX und der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit (ICF). Behinderung entsteht in der Wechselwirkung zwischen einem Menschen und seiner Umwelt. Die Barriere liegt nicht in der Person – sie liegt in der Struktur.
70-80% aller Behinderungen sind nicht sichtbar oder sofort erkennbar. Die meisten Studierenden mit Beeinträchtigungen fallen im Hochschulalltag nicht auf – und bekommen deshalb oft nicht die Unterstützung, die sie brauchen. Franzi hat dabei nicht nur Fakten vermittelt, sondern auch aus ihrer eigenen Erfahrung erzählt. Persönlich, direkt und ohne Beschönigung.
Gruppenarbeit mit Akustikkopfhörern – Selbsterfahrung inklusive
Im zweiten Teil arbeiteten die Lehrenden in drei Gruppen – mit Fallbeispielen zu ADHS, ASS und Depression, und mit Akustikkopfhörern auf den Ohren. Plötzlich wurde spürbar, was viele Studierende täglich erleben. Die Aufgabe: Was kann die Hochschule tun? Welche Strategien können Dozierende konkret umsetzen?
Impulse für Dozierende – zusammengetragen von Lehrenden für Lehrende
Bei ADHS:
- Terminerinnerungen verschicken
- Pausen in Veranstaltungen einbauen
- Struktur und eindeutige Ziele formulieren
- engmaschige Zusammenarbeit anbieten
- Aufklärung über Newsletter und Studienberatung
- sichtbare Anlaufstellen schaffen
- technische Alternativen wie Kopfhörer und hybride Formate nutzen
Bei ASS:
- Ausreichend große Räume und Hörsäle bereitstellen
- keine Pflicht-Gruppenarbeiten einführen
- Offenheit aktiv kommunizieren
- Rücksicht als selbstverständliche Haltung etablieren
- Hybrid-Lehre anbieten
- Lehrende systematisch sensibilisieren
- informieren
- Angebote für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen transparent machen
Bei Depression:
- Nachteilsausgleich aktiv nutzen und auf die Person anpassen
- an Hilfsstellen verweisen
- Offenheit im Seminar signalisieren – zum Beispiel durch eine Folie zur Seminarkultur
- Asynchrone Lehrangebote mit freier Zeiteinteilung
- passive Teilnahme ermöglichen
- soziale Verbindlichkeit schaffen durch Check-ins
- vereinbarte Anwesenheiten sowie Gruppenarbeiten ermöglichen – ohne sie zu erzwingen
Was bleibt
Inklusive Lehre beginnt nicht mit großen Reformen. Sie beginnt mit dem Willen hinzuschauen – und der Bereitschaft anzufangen.
Wir bedanken uns Herzlich für das Interesse und die aktive Teilnahme.
Euer ZEVI-Team

