Wusstet ihr, dass ein Video ohne Untertitel eine Barriere ist?

Genau wie eine Treppe ohne Rampe – nur unscheinbarer.

Vor ein paar Tagen haben wir an einer Online-Veranstaltung teilgenommen: „Barrieren erkennen – Teilhabe fördern – Digitale Barrierefreiheit für alle gestalten.“ 

138 Teilnehmende, 60 Minuten, viel Input – und ein Thema, das längst überfällig ist. Wir möchten unsere Erkenntnisse mit euch teilen.

Was ist digitale Barrierefreiheit?

Digitale Barrierefreiheit beschreibt die Möglichkeit, Informationen, Dienstleistungen und digitale Angebote ohne fremde Hilfe nutzen zu können – unabhängig von individuellen Einschränkungen. Das betrifft Webseiten, Lernplattformen, Apps, digitale Dokumente, Videos und Online-Kommunikationssysteme.

Wichtig: Das ist kein Nischenthema. Auch ältere Menschen, Personen mit vorübergehenden Einschränkungen oder Menschen in besonderen Nutzungssituationen profitieren von barrierefreier Gestaltung. Barrierefreiheit verbessert digitale Angebote für alle.

Welche Barrieren gibt es?

Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, wie vielfältig digitale Barrieren sind – und wie oft sie im Alltag übersehen werden.

Menschen mit Sehbeeinträchtigungen stoßen auf zu kleine Schriftgrößen, schlechte Farbkontraste und fehlende Bildbeschreibungen, die von Screenreadern nicht erfasst werden können. 

Menschen mit Hörbeeinträchtigungen finden häufig keine Untertitel oder Transkripte für Audio- und Videoinhalte. 

Menschen mit motorischen Einschränkungen kämpfen mit schwieriger Mausbedienung, kleinen Schaltflächen und komplexen Bedienvorgängen. 

Menschen mit kognitiven Einschränkungen verlieren sich in komplexer Sprache, unübersichtlichen Strukturen und zu vielen Informationen auf einmal. 

Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen erleben erhöhten Stress durch Reizüberflutung und mangelnde Struktur.

Besonders im Studium kommen diese Barrieren gehäuft vor: nicht barrierefreie PDFs, Lehrvideos ohne Untertitel, unzugängliche Lernplattformen – Herausforderungen, die den Lernerfolg erheblich beeinträchtigen können.

Die vier WCAG-Prinzipien als Grundlage

Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) bilden die wichtigste internationale Grundlage für digitale Barrierefreiheit. Sie basieren auf vier Prinzipien:

Wahrnehmbar bedeutet, dass Informationen über verschiedene Sinneskanäle zugänglich sein müssen – durch Alternativtexte, Untertitel, Audiodeskriptionen und ausreichende Farbkontraste.

Bedienbar bedeutet, dass digitale Angebote auch mit der Tastatur, ohne Maus und ohne Zeitdruck genutzt werden können – niemand soll aufgrund einer Einschränkung ausgeschlossen werden.

Verständlich bedeutet klare Sprache, einheitliche Navigation und logischer Seitenaufbau – damit Inhalte leichter verstanden und verarbeitet werden können.

Robust bedeutet, dass digitale Angebote mit unterschiedlichen Technologien funktionieren – kompatibel mit Screenreadern, Hilfsmitteln und zukunftssicher in der Umsetzung.

Was konkret getan werden kann

Die Veranstaltung hat nicht nur Probleme benannt, sondern auch konkrete Lösungen aufgezeigt. Für Lehrende bedeutet das: Materialien frühzeitig bereitstellen, verständliche Sprache verwenden, Lehrvideos mit Untertiteln versehen und barrierefreie Dokumente erstellen. Tools wie die Microsoft 365 Barrierefreiheitsprüfung, Adobe Acrobat Pro oder der PDF Accessibility Checker helfen dabei, bestehende Barrieren zu erkennen und zu beheben.

Unser Fazit

Es war sehr viel Input in sehr kurzer Zeit. Wir sind froh über den Input, denn solange digitale Angebote nicht barrierefrei gestaltet sind, bleibt echte Inklusion unvollständig.