Sprache prägt unsere Wahrnehmung. Sie beeinflusst, wie wir über Menschen denken, welche Bilder entstehen und wer als selbstverständlich zur gesellschaftlichen Norm gehört.
Viele Begriffe werden im Alltag verwendet, ohne dass ihre Wirkung bewusst ist. Genau hier setzt unsere Reihe „Sag nicht – sag lieber“ an. Sie lädt dazu ein, alltägliche Formulierungen zu hinterfragen und über inklusivere Alternativen nachzudenken.
In diesem Beitrag geht es um drei Begriffe, die häufig im Zusammenhang mit Behinderung verwendet werden:
„normal“, „besonders“ und „trotz Behinderung“.
„Normal“ und „nicht normal“
Die Unterscheidung zwischen „normal“ und „nicht normal“ erzeugt eine Hierarchie: Einige Menschen gelten als Norm, andere als Abweichung.
Menschen mit Behinderungen werden dadurch schnell als „anders“ eingeordnet. Diese Perspektive kann dazu beitragen, dass sie nicht als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Vielfalt wahrgenommen werden.
Statt Menschen in solche Kategorien einzuordnen, ist es oft sinnvoller, konkret zu beschreiben, was gemeint ist, etwa „Menschen mit/ohne Behinderung“.
Der Begriff „besonders“
Auch scheinbar positive Begriffe können problematische Bedeutungen transportieren. Der Ausdruck „besonders“ wird häufig verwendet, um Menschen mit Behinderungen respektvoll zu beschreiben – beispielsweise als „besonderer Schüler“ oder „besondere Mitarbeiterin“.
Damit wird eine Person jedoch schnell als Ausnahme dargestellt.
Statt als Teil gesellschaftlicher Vielfalt erscheint sie als etwas Außergewöhnliches.
Eine hilfreiche Alternative ist, die Person einfach konkret zu beschreiben oder auf die Markierung ganz zu verzichten, wenn sie für den Zusammenhang nicht relevant ist.
Beispiele dafür sind:
„Er ist Schüler an unserer Schule.“
„Sie arbeitet im Marketingteam.“
„Trotz Behinderung“
Formulierungen wie „trotz Behinderung“ suggerieren, dass eine Behinderung grundsätzlich im Widerspruch zu Erfolg und Kompetenz steht.
Sätze wie „Sie hat trotz ihrer Behinderung studiert“ vermitteln damit ungewollt, dass Leistung von Menschen mit Behinderungen überraschend oder ungewöhnlich sei.
Dabei erreichen Menschen ihre Ziele nicht „trotz“, sondern mit ihren Lebensrealitäten.
Viele Herausforderungen entstehen zudem nicht durch die Behinderung selbst, sondern durch gesellschaftliche Barrieren.
Warum es sich lohnt, Sprache zu reflektieren
Inklusive Sprache bedeutet nicht, immer sofort die perfekten Worte zu finden. Sie bedeutet vielmehr, sensibel dafür zu sein, welche Wirkung Begriffe haben können.
Wenn wir unsere Sprache reflektieren, können wir dazu beitragen, dass Menschen nicht über Abweichungen von einer vermeintlichen Norm definiert werden, sondern als selbstverständlicher Teil gesellschaftlicher Vielfalt sichtbar werden.
Wichtig ist dabei auch: Selbstbezeichnungen haben Vorrang.
Wenn du unsicher bist, wie Menschen bezeichnet werden möchten, ist es immer ratsam, respektvoll nachzufragen.
💬 Welche Begriffe begegnen euch im Alltag, die wir in unserer Reihe noch anschauen sollten?

