Willkommen zu einer neuen Runde unserer Reihe „Sag nicht – sag lieber“. In dieser Reihe schauen wir uns Begriffe an, die im Alltag häufig verwendet werden – und erklären, warum sie problematisch sein können und welche Alternativen es gibt.
Heute geht es um zwei Begriffe, die sich von unseren Kolleg*innen aus Sachsen-Anhalt gewünscht wurden. Wir kennen sie alle und sie werden täglich benutzt – oft ohne nachzudenken: „irre“ und „verrückt“.
Wo kommen diese Wörter her?
Sprache ist nie zufällig. „Irre“ leitet sich vom mittelhochdeutschen „irren“ ab: vom Weg abkommen, nicht bei Sinnen sein.
„Verrückt“ bedeutete ursprünglich „verschoben“, „aus der Ordnung geraten“. Beide Begriffe wurden jahrhundertelang verwendet, um Menschen mit psychischen Erkrankungen zu beschreiben – und zwar nicht neutral. Sie dienten dazu, diese Menschen als gefährlich, unkontrollierbar und fremd zu markieren. Als Menschen, die nicht dazugehören.
Warum ist das heute noch relevant?
Auch wenn wir diese Begriffe heute für ein wildes Konzert oder einen stressigen Montag benutzen – ihre Herkunft steckt noch immer drin. Unser Gehirn arbeitet mit Verknüpfungen: außergewöhnlich = wie jemand mit einer psychischen Erkrankung. Das klingt subtil. Aber Stigmata entstehen genau so – leise, beiläufig, wiederholt.
Nicht durch eine sehr problematische Aussage, sondern durch viele kleine.
Menschen, die mit psychischen Erkrankungen leben, hören diese Begriffe täglich – als Beschreibung für Chaos, Kontrollverlust und Bedrohung. Das tut etwas. Es kann Scham verstärken. Es kann es erschweren, offen über psychische Gesundheit zu sprechen. Und es hält Stigmata am Leben – auch ohne böse Absicht.
Alternativen – weil unsere Sprache so viel mehr kann!
Für Begeisterung und Intensität: unfassbar, krass, unglaublich, wild, elektrisierend
Für Chaos und Unordnung: chaotisch, turbulent, aufgedreht, außergewöhnlich
Für Spontanität und Kreativität: mutig, unerwartet, originell, gewagt
Was zählt, ist nicht Perfektion – sondern die Haltung dahinter.
Du musst nicht perfekt sprechen. Was zählt, ist die Bereitschaft innezuhalten und nachzufragen: Was meine ich eigentlich? Gibt es ein Wort, das genauer ist – und niemanden verletzt?
Denn Sprache formt, wie wir über Menschen denken. Sie kann ausschließen und verletzen. Oder sie kann sichtbar machen und tolerant sein. ✨
Mehr dazu, warum inklusive Sprache wichtig ist, findest ihr in unserem Beitrag zur Inklusiven Sprache.
Welche Begriffe sollen wir in der Reihe noch anschauen? Schreibt es uns – wir nehmen jeden Vorschlag ernst. 💛

