Sprache ist nie neutral. Sie transportiert Haltungen, Bilder und Machtverhältnisse – oft ohne dass wir es merken. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, was hinter Begriffen steckt und wie Nicht-Betroffene sensibel und respektvoll kommunizieren können.

Auch in unserer Reihe „Sag nicht – sag lieber“ haben wir uns bereits mit ähnlichen Fragen beschäftigt. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dort weitere Beiträge zu diskriminierungssensiblen Begriffen.

Zwei Begriffe – ein wichtiger Unterschied

„Mensch mit Behinderung“ folgt der sogenannten People-First Language – einer Sprachpraxis, die den Menschen konsequent in den Vordergrund stellt. Die Behinderung ist ein Teil von ihm, aber nicht alles. Diese Formulierung betont: Da ist zuerst ein Mensch – dieser hat eine Geschichte, Persönlichkeit und Identität, die weit über die Behinderung hinausgeht.

„Behinderter Mensch“ ist ebenfalls möglich – und wird von vielen Betroffenen bewusst und stolz gewählt. Gerade im Kontext des Disability Pride Month nutzen viele Aktivist*innen diesen Begriff als politische Aussage: Behinderung als Teil der eigenen Identität, den man nicht versteckt, sondern feiert.

„Der/die Behinderte“ hingegen ist problematisch. Diese Form reduziert einen Menschen auf ein einziges Merkmal. Die Behinderung wird zur einzigen Identität – alle anderen Eigenschaften, die Geschichte und die Persönlichkeit treten in den Hintergrund. Das ist eine sprachliche Form der Diskriminierung.

Selbstbezeichnung geht vor – immer

Das Wichtigste überhaupt: Wie bezeichnet sich die Person selbst? Manche Menschen sagen stolz „Ich bin behindert.“ Andere bevorzugen „Ich lebe mit einer Behinderung.“ Beides ist richtig. Beides ist legitim. Die Selbstbezeichnung einer Person ist ihre Entscheidung – nicht die von außenstehenden Menschen.

Fragen ist immer besser als annehmen. Und wer bereit ist, das zu tun, hat bereits einen wichtigsten Schritt gemacht.

Wie verhält man sich als Nicht-Betroffene*r sensibel?

Sensible Sprache beginnt nicht mit dem perfekten Begriff – sie beginnt mit der richtigen Haltung. Ein paar konkrete Impulse:

Zuhören kommt zuerst – wie bezeichnet sich die Person selbst? Das ist der wichtigste Hinweis.

Nachfragen ist immer besser als annehmen – wenn du unsicher bist, frag offen und respektvoll nach.

Nicht korrigieren – wenn jemand sich selbst anders bezeichnet als du es würdest, ist das seine Entscheidung.

Informieren hilft – Sprache entwickelt sich, bleib offen dafür und informiere dich regelmäßig.

Respektieren bedeutet letztlich: Die Selbstbezeichnung einer Person ist ihre Entscheidung.

Was zählt, ist nicht Perfektion – sondern Haltung

Du musst nicht perfekt sprechen. Aber du kannst bereit sein, nachzudenken, nachzufragen und dazuzulernen. Denn Sprache formt, wie wir über Menschen denken – bevor wir es überhaupt merken. Sie kann ausschließen und verletzen. Oder sie kann sichtbar machen und Respekt zeigen. ✨

Welche Begriffe beschäftigen euch noch? Schreibt es uns – wir nehmen jeden Vorschlag für unsere Reihe „Sag nicht – sag lieber“ ernst. 💚