Der Juli ist Disability Pride Month – ein Monat der Sichtbarkeit, des Stolzes und der Erinnerung daran, dass Behinderung ein natürlicher, bedeutsamer Teil menschlicher Vielfalt. Aber was steckt wirklich dahinter?

Die Geschichte: Ein Moment, der alles veränderte

Die Geschichte des Disability Pride Month führt auf den Protest von Aktivist*innen im Jahr 1990 zurück. Sie erklommen die Treppe zum Kapitol in Washington D.C. – im Rollstuhl, auf Knien, mit Krücken – und zwangen Präsident George H. W. Bush im Juli zur Unterzeichnung eines Meilensteins der Bürgerrechte für Menschen mit Behinderung: des Americans with Disabilities Act (ADA). Dieser Moment, bekannt als der „Capitol Crawl“, gilt als einer der prägendsten Momente der Behindertenrechtsbewegung.

Im selben Jahr versammelten sich in Boston Menschen mit Behinderungen, Betreuer*innen, Verbündete und Befürworter*innen, um diesen Meilenstein zu feiern. Seitdem werden jährlich in zahlreichen amerikanischen Städten Veranstaltungen organisiert, um die soziale Bewegung zu unterstützen. Im Jahr 2015 erklärte die Stadt New York den Juli offiziell zum Disability Pride Month.

Was Disability Pride bedeutet – und was nicht

Der Begriff „Disability Pride“ bedeutet sinngemäß „Stolz auf die eigene Behinderung“. Gemeint ist damit jedoch nicht, dass Behinderungen verherrlicht werden. Vielmehr geht es darum, dass Menschen ihre Behinderung nicht verstecken oder sich dafür schämen müssen. Stattdessen soll deutlich werden, dass jede Person das Recht auf Respekt, Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben hat.

Disability Pride ist eine Ablehnung von Narrativen, die Behinderung als etwas Beschämendes oder Tragisches behandeln. Stattdessen wird Behinderung als natürlicher, bedeutsamer Teil menschlicher Erfahrung gefeiert. Stolz bedeutet in diesem Kontext nicht, die bestehenden Barrieren zu ignorieren – sondern ihnen ohne Entschuldigung entgegenzutreten.

Das Motto des Disability Pride Month 2026 bringt es auf den Punkt: „The World Works Better with Us.“

Warum dieser Monat wichtig ist

Menschen mit Behinderungen machen 15% der Bevölkerung aus. Und trotzdem werden wir noch immer viel zu häufig aus dem öffentlichen Raum verdrängt. Der Disability Pride Month ist eine Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass mehr getan werden muss, um die Welt für uns zugänglicher und inklusiver zu gestalten.

Jahrzehntelange Diskriminierung und Ausgrenzung haben dazu geführt, dass manche Menschen mit Behinderungen Scham oder Minderwertigkeitsgefühle verinnerlicht haben. Der Disability Pride Month soll einen Anlass geben, stolz darauf zu sein, wer man ist und wie man ist – und andere Menschen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen aufklären.

Was Allyship bedeutet

Ein*e Verbündete*r für Menschen mit Behinderungen zu sein, bedeutet nicht, Expert*in zu sein. Es bedeutet, uns aktiv zuzuhören, uns zu unterstützen und andere aufzuklären. Was wir benötigen, ist, dass sich nicht behinderte Menschen an Kampagnen beteiligen, um unser Leben zu verbessern.

Warum das auch unser Thema ist

Als Zentrum für Vielfalt und Inklusion Neubrandenburg stehen wir jeden Tag für genau das, wofür der Disability Pride Month steht: Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und echte Teilhabe für alle Menschen. Nicht nur im Juli. Das ganze Jahr. ✊💚