Im Alltag hört man immer wieder Aussagen wie:
„Das ist voll behindert.“
„Bist du behindert?“
Solche Formulierungen werden oft verwendet, um etwas als schlecht, peinlich oder unsinnig zu beschreiben.
Doch wenn das Wort „behindert“ als Beleidigung benutzt wird, hat das Auswirkungen. Der Begriff beschreibt eigentlich Menschen – Menschen mit Behinderungen.
In unserer Reihe „Sag nicht – sag lieber“ schauen wir uns Begriffe an, die im Alltag häufig vorkommen und erklären, warum sie problematisch sein können.
Was bedeutet „behindert“ eigentlich?
Der Begriff „Behinderung“ beschreibt eine Situation, in der Menschen durch körperliche, sensorische, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen auf Barrieren in der Gesellschaft stoßen.
Behinderung entsteht also nicht nur durch eine individuelle Beeinträchtigung, sondern auch durch gesellschaftliche Strukturen, die Menschen ausschließen oder ihnen Teilhabe erschweren.
Ein Blick in die Geschichte
Menschen mit Behinderungen waren über lange Zeit massiv von Ausgrenzung betroffen.
Sie wurden häufig:
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aus Schulen ausgeschlossen
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in spezielle Einrichtungen oder Heime abgeschoben
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als „defizitär“ oder „nicht leistungsfähig“ dargestellt
Besonders brutal zeigte sich diese Abwertung während der Zeit des Nationalsozialismus. Im Rahmen der sogenannten „Euthanasie“-Verbrechen wurden hunderttausende Menschen mit Behinderungen systematisch ermordet.
Diese Geschichte verdeutlicht, wie tief Diskriminierung gegen Menschen mit Behinderungen in gesellschaftlichen Strukturen verankert war – und teilweise bis heute ist.
Warum das Wort als Beleidigung problematisch ist
Wenn „behindert“ im Alltag als Schimpfwort verwendet wird, vermittelt das eine klare Botschaft: Behinderung steht für etwas Negatives.
Dadurch wird eine ohnehin häufig marginalisierte Gruppe weiter abgewertet.
Auch wenn es oft nicht so gemeint ist:
Sprache prägt unser Denken – und beeinflusst, welche Vorstellungen über Menschen entstehen.
Was kann man stattdessen sagen?
Wenn man etwas kritisieren oder seinen Ärger ausdrücken möchte, gibt es viele Möglichkeiten, ohne Menschen abzuwerten.
Zum Beispiel:
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„Das ist unfair.“
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„Das ist unlogisch.“
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„Das ist schwierig.“
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„Das funktioniert nicht.“
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„Das ist ärgerlich.“
So wird die Situation kritisiert, ohne eine Personengruppe abzuwerten.
Wichtig: Der Begriff selbst ist nicht falsch
Der Begriff „behindert“ ist nicht grundsätzlich problematisch, wenn er sachlich oder beschreibend verwendet wird.
Beispiele dafür sind Formulierungen wie:
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„Menschen mit Behinderung“
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„behinderte Menschen“
Viele Aktivist*innen nutzen diese Begriffe bewusst als Selbstbezeichnung.
Problematisch wird es erst, wenn der Begriff als Beleidigung oder Abwertung genutzt wird.
Sprache reflektieren – Barrieren abbauen
Inklusive Sprache bedeutet nicht, immer sofort die perfekten Worte zu finden.
Es bedeutet, sich bewusst zu machen, welche Wirkung Sprache haben kann und wie sie gesellschaftliche Bilder prägt.
Wenn wir Begriffe hinterfragen, können wir dazu beitragen, Barrieren abzubauen und Menschen nicht über Abwertungen oder Stereotype zu definieren.
💬 Welche Begriffe begegnen euch im Alltag, die wir in unserer Reihe noch anschauen sollten?

