Jedes Jahr am 5. Mai rufen zahlreiche Behindertenverbände zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung auf – mit einer klaren Forderung: ein Ende der Diskriminierung und die Verwirklichung echter Teilhabe an der Gesellschaft. Entstanden ist der Protesttag 1992 auf Initiative des Vereins Selbstbestimmt Leben. Das diesjährige Motto lautet: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar.“

Und das ist kein leeres Statement. Mitte April legte eine Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen von Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden Kürzungsvorschläge mit einem Gesamtvolumen von rund 8,6 Milliarden Euro vor – Maßnahmen, die grundlegend in bestehende Rechte von Menschen mit Behinderung eingreifen würden. Der Protesttag 2026 findet also in einem politisch besonders brisanten Moment statt.

Vier Stimmen aus unserem Zentrum

Anlässlich des Protesttages haben unsere Bildungsfachkräfte Videos aufgenommen und ihre persönlichen Botschaften an die Gesellschaft gerichtet. Was sie sagen, ist so unterschiedlich wie ihre Lebenswirklichkeiten – und doch verbindet alle vier derselbe Kern: der Wunsch nach einem selbstbestimmten, gleichberechtigten Leben.

Franzi fordert gleiche Rechte, Sichtbarkeit und Teilhabe für alle Menschen mit Behinderungen. Sie kämpft für eine Welt ohne Barrieren, geprägt von Respekt und Selbstbestimmung.

Johannes buchstabiert Inklusion mit seinen Bedeutungen: Individualität, Niemals allein, Keiner wird ausgeschlossen, Lebenswert, Umgang miteinander, Sozial, Identität, Offenheit, Nicht schwer. Besonders wichtig für ihn: Inklusion endet nicht nach der Arbeit.

Julia spricht über Wohnen – und das Recht, frei zu entscheiden, wo und mit wem man lebt. Sie wünscht sich mehr Selbstbestimmung und Mitbestimmung für Menschen mit Behinderungen in Wohnheimen. Damit sich Zuhause auch wirklich wie Zuhause anfühlt.

Mila thematisiert etwas, das viele für selbstverständlich halten: Spontanität. Als Mensch, der auf den ÖPNV angewiesen ist, muss sie Fahrten meistens Tage im Voraus planen. Ihr Wunsch ist schlicht – und dennoch weit von der Realität entfernt: einfach mal spontan sein dürfen.

Was diese Stimmen gemeinsam bedeuten

Franzi, Johannes, Julia und Mila sprechen über unterschiedliche Lebensbereiche – Wohnen, Mobilität, Arbeit, Identität. Aber sie alle beschreiben dieselbe Lücke: die Lücke zwischen dem, was das Gesetz verspricht, und dem, was im Alltag tatsächlich ankommt. In Europa lebten laut Schätzungen rund 101 Millionen Menschen ab 16 Jahren mit einer Form von Behinderung – das entspricht etwa 27 Prozent der EU-Bevölkerung über 16 Jahren. Ihre Stimmen verdienen Gehör – heute und jeden Tag.

Wir sind stolz auf unsere Bildungsfachkräfte und ihre Courage. Und wir stehen an ihrer Seite – für eine Gesellschaft, in der Teilhabe kein Privileg ist, sondern gelebte Wirklichkeit.