Am 8. März wird weltweit der Internationale Frauentag gefeiert. In vielen Städten finden Veranstaltungen, Demonstrationen und Aktionen statt. Gleichzeitig ist der Tag in den letzten Jahren auch zu einem Datum geworden, an dem Blumen verschenkt, Rabattaktionen beworben oder Marketingkampagnen gestartet werden.
Viele Aktivist*innen sprechen deshalb bewusst nicht nur vom Internationalen Frauentag, sondern vom feministischen Kampftag.
Der Grund dafür liegt in der Geschichte des 8. März.
Ein Tag aus Protest und politischen Kämpfen
Der 8. März entstand aus Arbeitskämpfen und Protesten von Frauenbewegungen im frühen 20. Jahrhundert. Frauen organisierten Demonstrationen und Streiks, um grundlegende Rechte einzufordern – unter anderem:
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das Wahlrecht für Frauen
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bessere Arbeitsbedingungen
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faire Bezahlung
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politische Mitbestimmung
Der Tag war also von Anfang an kein symbolischer Feiertag, sondern ein politischer Protesttag. Viele feministische Bewegungen knüpfen bis heute daran an.
Wir brauchen keine Blumen – wir brauchen Gerechtigkeit
Trotz wichtiger Fortschritte bestehen weiterhin strukturelle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern. Der 8. März erinnert deshalb daran, dass Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist.
Einige zentrale Themen sind bis heute aktuell.
Gender Pay Gap: Frauen verdienen weiterhin weniger
Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt 18 bis 23 Prozent weniger als Männer. Besonders groß ist die Lohnlücke in bestimmten Branchen sowie bei Teilzeitbeschäftigung.
Neben strukturellen Ungleichheiten spielen dabei auch Faktoren wie die Unterbewertung sozialer Berufe oder unterbrochene Erwerbsbiografien durch Care-Arbeit eine Rolle.
Wichtige Forderungen sind deshalb unter anderem:
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mehr Lohntransparenz
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gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit
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bessere Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen
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mehr Frauen in Führungspositionen
Gewalt gegen Frauen ist weiterhin Realität
Gewalt gegen Frauen ist ein massives gesellschaftliches Problem. Studien zeigen, dass jede dritte Frau in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt.
Viele Betroffene stoßen jedoch auf strukturelle Hürden:
Frauenhäuser sind vielerorts überfüllt, Beratungsstellen unterfinanziert und Unterstützungsangebote regional unterschiedlich.
Daher fordern viele Organisationen:
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eine bessere Finanzierung von Schutzräumen
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konsequenten Gewaltschutz
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niedrigschwellige Unterstützungsangebote für Betroffene
Unsichtbare Care-Arbeit
Ein weiterer zentraler Punkt ist die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit – also Sorgearbeit wie Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder Haushaltsarbeit.
Diese Arbeit wird häufig unbezahlt oder schlecht bezahlt und überwiegend von Frauen geleistet. Statistisch verbringen Frauen täglich mehrere Stunden mehr mit unbezahlter Sorgearbeit als Männer.
Daraus ergeben sich langfristige Folgen, etwa geringere Einkommen oder niedrigere Renten.
Viele Initiativen fordern deshalb:
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mehr gesellschaftliche Anerkennung von Care-Arbeit
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bessere Bezahlung in Pflege- und Sozialberufen
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eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit
Intersektionaler Feminismus
Gleichzeitig ist wichtig zu erkennen: Nicht alle Frauen erleben Diskriminierung auf die gleiche Weise.
Menschen können von mehreren Diskriminierungsformen gleichzeitig betroffen sein. Besonders häufig betrifft das zum Beispiel:
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Schwarze Frauen
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migrantische Frauen
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Frauen mit Behinderungen
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queere und trans Personen
Ein intersektionaler Feminismus berücksichtigt deshalb auch Rassismus, Ableismus und Queerfeindlichkeit und versucht, diese Machtverhältnisse gemeinsam zu hinterfragen.
Ein Tag für Sichtbarkeit und Veränderung
Der 8. März ist deshalb für viele Menschen mehr als ein symbolischer Feiertag.
Er ist ein Tag,
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um auf Ungleichheiten aufmerksam zu machen,
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um politische Forderungen sichtbar zu machen,
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und um gesellschaftliche Veränderungen einzufordern.
Ob als Internationaler Frauentag oder als feministischer Kampftag bezeichnet – der 8. März bleibt ein wichtiger Anlass, um über Gleichberechtigung, Machtverhältnisse und soziale Gerechtigkeit zu sprechen.

